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Workforce Management·Beschäftigungs-Entscheidung

KI-Schichtplanung: Annex III.4(b) Hochrisiko

Wir nutzen KI zur Schichtplanung oder Aufgabenverteilung

Hochrisiko

Wir nutzen KI zur Schichtplanung oder Aufgabenverteilung: Diese Anwendung ist nach derzeitiger Einschätzung ein Hochrisiko-KI-System. Damit gelten die umfangreichsten Pflichten des EU AI Act — von Risikomanagement über technische Dokumentation bis zur menschlichen Aufsicht. Betroffen sind insbesondere Beschäftigte. Der einschlägige Regulierungspfad ist III.4(b) (annex iii 4 employment).

Zuletzt geprüft: 5. Juni 2026 · 3 Min. Lesezeit · Herausgeber: Innopulse Consulting GmbH, Zug

Warum diese Einstufung?

  • Das System unterstützt Entscheidungen über Personen — auch beratende Systeme können in den Hochrisiko-Bereich fallen.
  • Beim Einsatz als Hochrisiko-System durch eine öffentliche Stelle kommt eine FRIA-Pflicht nach Art. 27 hinzu.

Rechtliche Grundlage

Artikel

Annex III.4(b) EU AI Act

Erwägungsgründe

Recital 57

Annex-Pfad

III.4(b)

Welche Pflichten gelten?

  • Risikomanagementsystem über den gesamten Lebenszyklus (Art. 9)
  • Daten-Governance und Qualitätskriterien für Trainings-, Validierungs- und Testdaten (Art. 10)
  • Technische Dokumentation nach Annex IV (Art. 11)
  • Automatische Protokollierung von Ereignissen (Art. 12)
  • Transparenz und Bereitstellung von Informationen für Betreiber (Art. 13)
  • Menschliche Aufsicht (Art. 14)
  • Genauigkeit, Robustheit und Cybersicherheit (Art. 15)
  • Grundrechte-Folgenabschätzung (FRIA) nach Art. 27 — bei öffentlichen Stellen sowie Banken, Versicherern und Anbietern essenzieller Dienste

Zusätzliche Rechtsrahmen in der DACH-Region

Der EU AI Act steht nicht allein. Je nach Einsatz greifen in der Schweiz, Deutschland und Österreich weitere Vorgaben — hier die für diesen Fall relevanten:

DSGVOEU

Bei automatisierten Entscheidungen über natürliche Personen greift insbesondere Art. 22 DSGVO (Recht auf menschliches Eingreifen).

AMS-Algorithmus-Rechtsprechung (Österreich)AT

In Österreich hat die Debatte um den AMS-Algorithmus gezeigt, dass Profiling von Arbeitsuchenden besonders kritisch und datenschutzrechtlich umstritten ist.

Praxis-Beispiele

Hochrisiko

KI optimiert Pflege-Schichtpläne und ordnet einzelne Mitarbeiter Schichten zu — Annex III.4(b).

Grenzfall

KI-Schichtplanung erstellt eine Vorab-Sortierung, die HR vollständig manuell überprüft — Art. 6(3) denkbar, aber dokumentations- und prüfpflichtig.

Unkritisch

KI-Schichtplanung extrahiert nur strukturierte Daten ohne Bewertung/Ranking von Personen — keine Annex-III.4-Wirkung.

Pflicht-Trigger für diesen Fall

  • Wirkt direkt auf natürliche Personen
  • Entscheidungsunterstützung (Mensch im Loop)
  • Öffentlicher Sektor / Verwaltung

Zusätzliche regulatorische Overlays

GDPRGERMAN BDSG SECTION 26 EMPLOYEEAUSTRIAN AMS ALGORITHM DECISION

Neben dem AI Act greifen für diesen Fall sektorale Vorschriften, die zusätzliche Pflichten auslösen können.

Was muss konkret geklärt werden?

Ob Dein konkreter Use-Case unter Hochrisiko fällt, hängt von folgenden Detailfragen ab:

  • Beeinflusst das Ergebnis Einstellung, Beförderung, Aufgabenverteilung, Kündigung oder Vergütung einer konkreten Person? (Annex III.4)
  • Entscheidet das System automatisiert, oder prüft eine verantwortliche Person jede Empfehlung eigenständig vor der Umsetzung?
  • Wie autonom entscheidet das System?

Häufige Fragen

Ist „KI-Schichtplanung" ein Hochrisiko-KI-System nach dem EU AI Act?

Nach derzeitiger Einschätzung ja. Der Fall fällt unter III.4(b). Massgeblich sind Annex III.4(b) EU AI Act. Die endgültige Einstufung hängt vom konkreten Einsatz ab — ein strukturiertes Assessment klärt das verbindlich.

Beeinflusst das Ergebnis Einstellung, Beförderung, Aufgabenverteilung, Kündigung oder Vergütung einer konkreten Person?

Diese Abgrenzung entscheidet häufig über die Risikoklasse. Die genaue Ausgestaltung im Einzelfall ist entscheidend; ein Assessment ordnet die Faktoren strukturiert ein.

Entscheidet das System automatisiert, oder prüft eine verantwortliche Person jede Empfehlung eigenständig vor der Umsetzung?

Diese Abgrenzung entscheidet häufig über die Risikoklasse. Trifft ein Mensch die Entscheidung eigenständig und überstimmt das System nachweislich regelmässig, kann die Ausnahme nach Art. 6(3) greifen — das ist dokumentationspflichtig.

Was sind die nächsten konkreten Schritte?

Zuerst die Einstufung verbindlich klären, dann den Pflichtenkatalog (Art. 9–15) als Projektplan aufsetzen und die Rollenfrage Anbieter/Betreiber (Art. 25) klären. Das Assessment liefert dazu einen dokumentierten Audit-Trail.

Verwandte Anwendungsfälle

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